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Hintergrundinformation "Der moderne Buchdruck"

Berlin, 06.04.2006 - Johannes Gutenberg drücken Schulden. Seit Jahren nimmt der Goldschmied und Schreiber Darlehen auf. Mühevoll sucht er nach Finanziers, beharrlich überzeugt er Freunde, Bekannte und Fremde, ihm Geld zu leihen. Zurückzahlen kann er dieses nicht - auch die Zinsen bleibt er schuldig. Trotz Forderungen seiner Gläubiger, trotz der Prozesse: Gutenberg gibt seinen Traum nicht auf. Und der ist teuer: Für die Verwirklichung seiner Idee des modernen Buchdrucks, die ab dem Jahre 1450 die Welt verändern wird, braucht er eine Werkstatt, eine Buchdruckerpresse, Blei und Zinn. Alles Dinge, die viel Geld kosten. Für das "Bibel-Projekt" nimmt Gutenberg Schulden im Wert von vier Häusern in Kauf – nach heutigem Verständnis Investitionen in Millionenhöhe.

Viel ist über Gutenberg, der um 1400 als Mainzer Patriziersohn auf die Welt kommt, nicht bekannt. Das meiste bleibt Spekulation. Ein paar Briefe, ein paar Gerichtsakten geben Aufschluss über sein Leben. Ein Leben, das sich zwischen Mittelalter und Neuzeit abspielt - in einer Gesellschaft, die hin und her gerissen ist zwischen technischen Innovationen, kirchlichen Reformbestrebungen, einer ersten Blüte humanistischen Gedankengutes, furchtbaren Inquisitionsprozessen und Kriegen auf dem ganzen Kontinent.
Eine Seite aus der Gutenberg-Bibel. Foto: www.gutenbergdigital.de
Eine Seite aus der Gutenberg-Bibel. Foto: www.gutenbergdigital.de
Mitte der fünfziger Jahre des 15. Jahrhunderts ist es soweit: Auf einer Werkbank in Mainz liegt das weltweit erste Buch, das mit beweglichen Lettern gedruckt ist: eine Bibel, Gutenbergs Lebenswerk.

Gutenbergs Erfindung ist so einfach wie überzeugend: Die Texte werden in ihre kleinsten Einheiten aufgelöst: in Buchstaben und Zeichen. Gutenberg schneidet und gießt insgesamt 290 unterschiedliche Schriftzeichen: 47 Großbuchstaben, 63 Kleinbuchstaben, 92 Lettern mit Abkürzungszeichen, 83 Buchstabenkombinationen und fünf Kommata. Den Kern seiner Erfindung bilden ein Handgießinstrument und die Buchdruckpresse. Er entwickelt eine Legierung aus Blei, Zinn und Antimon und gießt stabile Lettern mit einer einheitlichen Tiefe. Die speziell ausgerüstete Spindelpresse ermöglicht es, die Farbe gleichmäßig auf das angefeuchtete Papier aufzutragen. Gutenberg arbeitet an mehreren Pressen. Ein Hebeldruck und bis zu acht Seiten sind gleichzeitig fertig. Über zwei Jahre dauert das Gießen, Setzen und Drucken der Bibel. 230.760 Arbeitsgänge werden bewältigt. Und das Buch kann sich sehen lassen: zwei Bände, 1.282 Seiten mit jeweils 42 Zeilen - und die Buchstaben gestochen scharf.

Die Druckkunst als solche ist schon sehr viel älter. In Ostasien wird um 700 der so genannte Holztafeldruck entwickelt, bei dem der Text vollständig in Holz geschnitten und auf Papier abgerieben wurde - ein sehr aufwändiges Verfahren. Die Chinesen kennen auch bereits das System der beweglichen Lettern. Doch die vielen tausend Schriftzeichen verhindern eine einfache und schnelle Zusammenstellung der Druckplatten.

Vergleichbares wie die Erfindung Gutenbergs hat es allerdings nie zuvor gegeben. Das Buch der Bücher kann in Serie gehen. 180 Exemplare druckt Gutenberg - und bringt damit den ersten Bestseller der Geschichte auf den Markt. Das Wissen der Welt verbreitet sich von diesem Moment an unaufhaltsam über den Globus. Bereits bis 1550 existieren eine halbe Million Lutherbibeln. Gutenbergs Technik bleibt über 400 Jahre fast unverändert. Erst dann werden Schnellpresse und Digitaldruck eingeführt und andere Arbeitsabläufe etabliert.

Die Erfindung des Buchdrucks prägt Politik und Kultur wie kaum eine andere Neuerung. Die Verbreitung des gedruckten Wortes beschleunigt Reformation und Aufklärung und unterstützt die weltweite Alphabetisierung. Dichter und Denker nutzen die neue Technik und lassen die deutsche Buchlandschaft erblühen - Zensur und Barbarei hätten sie fast zerstört: Am 10. Mai 1933 verbrennen Nationalsozialisten überall in Deutschland Werke moderner und regimekritischer Autoren. Die Bücherverbrennung setzt 500 Jahren deutscher Buchkultur ein vorläufiges Ende und bezeichnet eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte.

Erst nach dem Krieg kann sich in Deutschland wieder eine freie und vielfältige Medienlandschaft entwickeln. Im September 1949 öffnen sich nach rund 200 Jahren wieder die Tore der berühmten Frankfurter Buchmesse - mehr als 200 Aussteller versammeln sich in der Frankfurter Paulskirche und lassen eine alte Tradition wieder neu erblühen. Eine Tradition, die schon zu Gutenbergs Zeiten begann - die allererste Buchmesse in Frankfurt präsentierte rund 500 Jahre vorher die ersten Bücher. Bis in die Zeit des späten 17. Jahrhunderts bleibt Frankfurt am Main die zentrale Buchmesse-Stadt Europas. Als Folge politischer und kultureller Umwälzungen geht in der Zeit der Aufklärung diese Rolle auf Leipzig über.
Heute hat sie wieder in Frankfurt ihren Platz, die größte Buchmesse der Welt. Die Zahlen sprechen für sich: 168.790 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 7.233 Aussteller aus 101 Ländern, rund 1.000 Autoren, über 100.000 Neuerscheinungen und etwa 300.000 Besucher im Jahr 2005.
Deutschland ist dem Erbe Gutenbergs immer treu geblieben. Seit der Einführung des modernen Buchdrucks ist an der Drucktechnik kontinuierlich weitergearbeitet worden. Die Lithographie und der heute gebräuchliche Offsetdruck wurden hier entwickelt.

Mit der Heidelberger Druckmaschinen AG ist in Deutschland einer der weltweit führenden Hersteller von Druckmaschinen zu Hause.1850 gründet Andreas Hamm in Frankenthal die Firma als Glockengießerei und Maschinenfabrik. Erst ein halbes Jahrhundert später, 1896, wechselt das Unternehmen nach Heidelberg. Die erste Offset-Druckmaschine wird 1962 gefertigt - bis dahin sind nur Maschinen für Buchdruck produziert worden. 1967 erfolgt die Umbenennung in Heidelberger Druckmaschinen AG. Zu dieser Zeit ist die AG eine der wenigen Firmen weltweit mit einer Markenbekanntheit von fast 100 Prozent (bei Druckern) auf allen fünf Kontinenten.
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